In der Natur ist an einem Ort immer nur Licht oder Dunkelheit. Beide existieren nebeneinander, berühren sich, sind jedoch nie gleichzeitig. Sie sind Geschwister, nehmen einander auch mal den Raum, ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Doch in ihrem scheinbaren Wettstreit gibt es keinen Sieger. Die beiden wissen es wohl: Ohneeinander sind sie nicht viel Wert. So schön und wohlig wärmend heiße Sonnenstrahlen sind, unendliche, goldgelbe Weiten, so gut tun die Schatten, die verlässlich immer und immer wieder hineinfallen. Ein großer Baum, eine Mauer, ein Dach, als Schutz, zur Zuflucht, willkommene Kühle. So gemütlich es manchmal im Schatten ist, in der Dunkelheit, sich verstecken, fast auflösen im schwarzen Nichts, so rettend ist ein kleines Licht, eine Kerze, ein Hoffnungsschimmer.
Licht und Dunkelheit. Obwohl sie nie zusammen an einem Ort sind, sind sie einander so nah, dass sie nie wirklich allein sind. In unserem Leben fühlt es sich manchmal anders an, so als würden die beiden mehr und mehr ineinanderfließen und eine Gleichzeitigkeit schaffen, die manchmal kaum zu ertragen, manchmal die letzte Rettung ist.
Viele Monde waren die Tage länger als die Nächte. Im Frühling und Sommer sitzen wir draußen und das Leben setzt sich in uns. Im Herbst und Winter mummeln wir uns drinnen ein, und das Leben legt sich dazu. Und jetzt, nur heute, sind Tag und Nacht, Licht und Dunkelheit, für einen kurzen Augenblick im Gleichgewicht, geben sich die Hand und ihre unausgesprochene Vereinbarung tritt in Kraft: Die Tage ziehen sich mehr und mehr zurück, die Nächte bekommen mehr Raum. Bis sie sich wieder treffen und tauschen.

Auf so vielen Ebenen wahr. Wunderschön geschrieben! Danke! 🙂
Danke dir 😊 Ist auch ein besonderer Tag.