Tausend Spiegel

Ich schaue in tausend Spiegel jeden Tag.

In der Blume sehe ich den Frühling, nach dem ich mich sehne.

In der Verkäuferin die Disziplin, die mir manchmal fehlt.

Im Boden meiner Teetasse ein überraschend heiteres Gesicht.

Im Blick des Hundes sehe ich die Abenteuerlust, an die ich mich leise erinnere.

Im Obdachlosen die Bedürftigkeit, vor der ich lieber meine Augen verschließe.

In meiner Timeline lauter Egos, auch meins.

Im Hundehaufen sehe ich den Mist, den ich manchmal fabriziere.

Im See die Tiefe meiner Seele.

Im verblühten Blatt auf dem Boden die Vergänglichkeit, die ich scheue.

Im Fernsehen sehe ich die Geschichten, in die ich jederzeit eintauchen kann.

In seinen Augen das, was ich mir selbst vorwerfe.

In deinen Augen das, was du in mir siehst.

Ich schaue in tausend Spiegel jeden Tag. Sie alle erzählen mir etwas von mir – manchmal mehr als mein eigenes Spiegelbild.

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