Impro-Leben

Da stehen wir auf der Bühne und haben keine Ahnung und schon geht es los. Das Thema ist bestimmt. Ob wir es kennen? Bestimmt.

Geben ─ Nehmen ─ Geben, ein ewiger Kreislauf. Bis zum Ende, bis zum Anfang. Haben keine Ahnung, was kommt, und sind trotzdem. Die Bühne verlassen, nicht mitspielen, ist Stillstand, alles entgleitet langsam, abgetrennt, entfernt sich, weiter und weiter, bis es still ist. Und deshalb spielen wir. Müssen wir spielen, aus Verzweiflung, aus Liebe, aus Trotz, aus Hoffnung, aus Freude.

Wieso fällt es den anderen so leicht? Das tut es nicht, sie haben einfach mehr Übung, im Spielen, im Leben.

Passiert das, was ich will, und will ich das, was passiert?

Wenn ich nicht mitmache, kann ich nur zuschauen. In den Situationen entstehen Gefühle und aus den Gefühlen Situationen. Eine Szene wird zur anderen, immer ist Wandel, Wandel, Wandel. Als Zuschauende ist es ganz leicht. Ah, das passiert deshalb, sie verhält sich so, er so. Wer mit der Wut in einer Ecke steht, schreit, wer bei der Trauer ist, weint. So einfach ist es wirklich. Von außen.

Und mittendrin? Da ist es wild und schnell und ändert sich ständig und hängt auch mal. Gerade habe ich mich noch kaputtgelacht, jetzt fühle ich mich kaputt. Schreie vor Freude. Oder vor Wut? Keine Zeit zu denken, ich bin, ich handle und versuche, den Moment nicht zu verpassen. Und dann brauche ich eine Pause. Setze mich an den Rand, betrachte das Leben, atme… und komme zurück. Weiß immer noch nicht, was passieren wird. Bin erstaunt, wer ich sein kann. Wer ich bin. Was aus diesem Stück Leben noch werden wird. 

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